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Wetter aktuell Geänderte Überschrift: Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn Einen etwas genaueren Blick auf die Struktur von Tief NESRIN bietet das heutige Thema des Tages - zusammen mit einem kurzen Blick zurück auf die Niederschläge der vergangenen Tage. Grundsätzlich passt die Konstellation am heutigen meteorologischen Sommerbeginn schon gut. Das für uns wetterbestimmende Hoch CORNELIUS ist zwar genau genommen nur ein Ableger des Azorenhochs, trotzdem sorgt CORNELIUS für viel Sonnenschein, auch, indem er die letzten Regenwolken aus dem Südosten Deutschlands herausschiebt. Und so präsentieren sich weite Teile West- und Mitteleuropas sommerlich, wie man auch dem Satellitenbild in Abbildung 1 (Mehrkanalbild Rot-Grün-Blau des Meteosat Third Generation) entnehmen kann. In der Form könnte der Sommer für viele weitergehen - tut er aber nicht. In einem meteorologischen Schnelldurchlauf wurde diese Tatsache hier im Thema des Tages ja auch gestern schon angedeutet. Dazu gibt es jetzt noch ein paar Details. In Abbildung 1 ist über dem Nordatlantik in der Bodendruckverteilung (Linien gleichen Drucks = Isobaren) schon Tief NESRIN zu erkennen, welches das Hoch CORNELIUS beerbt und ein breites Wolkenband mit sich führt. Dieses Band erstreckt sich vom Tiefkern über dem Nordostatlantik ausgehend in einem weiten Bogen über Schottland, Irland und Wales hinweg bis ins Seegebiet westlich der Biskaya. Mit einer westlichen bis südwestlichen Strömung wird das Wolkenband nach Osten geschoben, so dass schon in der kommenden Nacht Wolken auf den Westen übergreifen, am morgigen Dienstag dann auch die zugehörigen Regenfälle. Dass der gute CORNELIUS dabei geradezu aufgerieben wird zeigt Abbildung 2. In dieser Frontenvorhersagekarte hat NESRIN am morgigen Mittag (12 UTC entspricht 14 MESZ) schon die schottische Nordseeküste erreicht. Dazu reihen sich vom westlichen Mittelmeer über Italien und Südosteuropa bis zum Baltikum und weiter nach Nordwestrussland einige Tiefs aneinander, wovon das Tief MECHTHILD uns noch gut in Erinnerung ist durch die heftigen Gewitter vom gestrigen Sonntag. CORNELIUS ist auf dieser Karte jedenfalls nicht mehr zu finden, seine Reste tummeln sich wahrscheinlich im Bereich Kroatien-Serbien-Ungarn. NESRIN ist daran natürlich nicht ganz unschuldig, ihre Kaltfront greift schon vormittags auf den Westen unseres Landes über. Da gleichzeitig die Warmfront quer über die Nordsee nach Dänemark positioniert ist, liegen wir im recht weit aufgespannten Warmsektor des Tiefs. Eine Abschätzung des Gewitter- und damit auch des Unwetterpotentials ist u. a. mithilfe der Infos aus Abbildung 3 möglich. Das Stichwort "Potential" lenkt die Aufmerksamkeit auf die linke Seite des Bildes, steht CAPE doch für "Convective Available Potential Energy", also die für konvektive Umlagerungen zur Verfügung stehende Potentielle Energie. Diese ist in hohem Maße abhängig von der Situation in der unteren Troposphäre. Je nachdem, welche Annahmen man macht, kann der Wert durchaus variieren. Hier ist das sogenannte "Most Unstable" CAPE gewählt, das so etwas wie ein "Worst Case Szenario" darstellt. Spitzenwerte von knapp über 1000 J/kg lassen starke Gewitter durchaus wahrscheinlich erscheinen, auch einzelne Unwetter liegen im Bereich des Möglichen. Darauf deuten auch die PPW-Werte hin, die das "Niederschlagbare Wasser" (den Wassergehalt in der Luftsäule) beschreiben. Bezüglich des Niederschlages liegt beim Deutschen Wetterdienst die Schwelle zum Unwetter bei 25 mm (Liter pro Quadratmeter) in einer Stunde - eine Größenordnung, die die PPW-Werte am morgigen Dienstag durchaus erreichen, und das nicht nur lokal. Unglücklicherweise kann man die PPW-Werte nicht eins zu eins in die erwarteten Niederschlagsmengen umrechnen. Hierzu bedarf es weiterer Überlegungen, wovon eine die sogenannte Zuggeschwindigkeit von möglichen Schauern und Gewittern ist. Je schneller sich Schauer und Gewitter über ein Gebiet hinwegbewegen, desto geringer ist das Unwetterpotential bezüglich Starkregen (dafür kann dann durchaus dasjenige durch orkanartige Böen oder Orkanböen größer werden, aber das ist eine andere Geschichte). Letztendlich deuten aber auch die PPWs durchaus das Potential für einzelne Unwetter am morgigen Dienstag an. Was der morgige Dienstag bringt, das werden wir dann am Mittwoch beurteilen können. Aber wenn wir über Niederschläge sprechen, soll doch zumindest kurz ein Blick zurück auf den gestrigen Sonntag geworfen werden. Dazu sind in Abbildung 4 die aus dem Radar abgeleiteten 48-stündigen Niederschlagssummen bis heute Morgen um 08 MESZ angegeben. Das Zeitfenster von 48 Stunden wurde deshalb gewählt, weil es schon aus der Nacht zum Sonntag heraus im äußersten Westen sehr kräftige Gewitterentwicklungen gegeben hat, die bei einer 24-stündigen Betrachtung keine Berücksichtigung gefunden hätten. So fließen diese (nördliches Eifelvorland) aber in die Betrachtung ein, wobei die kräftigsten Entwicklungen bei unseren belgischen Nachbarn aufgetreten sind. Tagsüber war dann ein Streifen vom südlichen Emsland bis nach Westsachsen der Schwerpunkt, wobei sich in Westsachsen an der Station Treuen über 102 mm (Liter pro Quadratmeter) akkumuliert haben - und dies sogar in weniger als 24 Stunden. Dipl. Met. Martin Jonas Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.06.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst |
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