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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 24.02.2018 um 10.30 UTC



Zunächst zum Teil extrem kalt, an der Ostsee markante Schneefälle und
-verwehungen. Zum Wochenende hin Frostabschwächung und von her Süden her mildere
Luft möglich.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 03.03.2018


In den vergangenen Tagen hat die Stratosphärenerwärmung dafür gesorgt, dass es
dort zu einem Polarwirbelsplit kam mit nachhaltigen Rückkoppelungen auf die
Dynamik in der darunter liegenden Troposphäre. Letztlich konnte so unter
Hochdruckeinfluss auch die zunehmende Kälte mit der Arktikluft in Mitteleuropa
sowie Deutschland Fuß fassen. In den aktuellen Vorhersagen zeigt sich nun eine
deutliche Abschwächung der Stratosphärenerwärmung und der Polarwirbelsplit
findet ein Ende. Es stellt sich daher die Frage, ob in der untersten
Atmosphärenschicht die Konstellation mit dem mächtigen Kaltluftkörper über
Mittel- und Nordeuropa in der Mittelfrist ausgeräumt werden kann, zumal die
"Unterstützung von oben" ja offenbar nun nachlässt.

Allerdings zeigt sich zum Anfang des Mittelfristzeitraums am kommenden Dienstag
im aktuellen 00 UTC-Lauf des EZMW noch ein ausgeprägter Langwellentrog, der sich
mit mehreren Drehzentren ausgehend vom westlichen Russland bis zu den Britischen
Inseln, dem zentralen Mittelmeer und Teilen Südosteuropas erstreckt. Dem steht
ein bis in das Nordmeer reichendes Höhenhoch im Bereich Island gegenüber, sodass
die Frontalzone wirkungsvoll von uns ferngehalten wird. Am Boden spiegelt sich
diese Situation in einer "High-over-Low"-Lage des Großwetterlagentyps "HNFz"
wider, mit einem Hoch mit Zentrum über dem nördlichen Skandinavien mit einem
satten Kerndruck von knapp über 1055 hPa und dem gegenüber stehend tiefem Druck
über dem Mittelmeer bzw. Südosteuropa. Für Deutschland resultiert daraus eine
nordöstliche Strömung mit sehr niedrigen Temperaturen von -15 bis -18 Grad in
850 hPa. Schneefälle werden meist nur wenig simuliert, an der Ostsee könnte es
mithilfe des "Lake"-Effekts in Schauerstraßen lokal recht eng begrenzt aber
markante Neuschneemengen von 5 bis 10 cm in jeweils 12 Stunden geben.

Im Verlauf der Woche ändert sich die Potenzialverteilung in der Höhe deutlich.
Aus dem anfangs zusammenhängenden Langwellentrog spalten sich mehrere Anteile
ab, die sich zum Ende des Mittelfristzeitraums am Samstag zum einen über dem
Atlantik, zum anderen über Mitteleuropa und zum Dritten über dem Kaukasus
wiederfinden. Das Höhenhoch über dem Nordmeer wird langsam zugeschüttet, womit
sich auch das Bodenhoch über Nordskandinavien immer weiter bis auf einen
Kerndruck von etwa 1020 hPa abschwächt. Am Boden können durch den nachlassenden
Hochdruckeinfluss in Deutschland Tiefdruckgebiete mit ihren Ausläufern
allmählich weiter nach Norden vorstoßen, sodass nicht nur die
Niederschlagsanteile vor allem ab Freitag allmählich zunehmen, sondern
insbesondere bis in die Mitte auch etwas wärmere Luft einfließen kann, zumal die
Strömung dann auf West bis Südwest dreht. Über Deutschland baut sich damit ein
recht beachtlicher Temperaturgradient von knapp 15 Kelvin in 850 hPa auf. Im
Norden bleibt es mit -15 Grad in 850 hPa dann noch sehr kalt, während in der
Mitte bereits die -10 Grad-Isotherme auftaucht und im Süden sogar schon die
0-Grad-Isotherme.

In der erweiterten Mittelfrist ab Sonntag wird das Höhentief über Mitteleuropa
durch einen vom Atlantik kommenden Randtrog regeneriert. Am Boden bleiben die
Druckverhältnisse in etwa bestehen (höherer Druck im Norden, tieferer im Süden)
und auch die Temperaturen bleiben sehr ähnlich.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis zum Donnerstag ist die Konsistenz des aktuellen EZMW-Lauf von 00 UTC vom
heutigen Samstag zu seinen Vorläufen sehr hoch. Danach zeigen sich kleinere
Unterschiede in der Behandlung der aus dem ursprünglichen Langwellentrog
abgekoppelten Anteile bzw. Höhentiefs. Dadurch wird es den Tiefdruckgebieten ab
Freitag möglich, ein wenig schneller nach Norden vorzustoßen als gestern noch
angenommen. Die etwas wärmere Luft kommt damit auch weiter nach Norden voran.
Der gestrige 12-UTC-Lauf prognostizierte dies am weitesten, wobei in der Mitte
Deutschlands etwa die -2-Grad-Isotherme liegen würde. Der heutige 00 UTC-Lauf
rechnet das Ganze aber schon wieder leicht zurück, nun taucht die
-2-Grad-Isotherme wieder über Süddeutschland auf. Bereits in diesen
Unterschieden wird deutlich, dass die Modelle offenbar Probleme damit haben, wie
die Kälte ausgeräumt werden soll.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


ICON baut ein dem EZMW ähnliches Szenario auf, wenn auch die Potenzialverteilung
in der Höhe zum Ende hin in Details anders aussieht. Allerdings wird die mildere
Luft nur phasenweise in den Süden Deutschlands gebracht, am Samstag ist es meist
überall wieder kälter mit T850 hPa von -8 bis -15 Grad. GFS ist etwas näher dran
am EZMW als ICON, wobei die mildere Luft am Freitag und Samstag jedoch weiter
nördlich über Deutschland liegt. GEM ist zunächst ebenfalls dem EZMW recht
ähnlich, tendiert zum Ende hin dann aber bei einer Konstellation Tief Britischen
Inseln und auf Südwest rückdrehende Strömung zu einer allgemein milderen Lösung.
NAVGEM hingegen ist die ganze Zeit deutlich auf der Kälteschiene unterwegs, da
sich der Langwellentrog über Mitteleuropa regeneriert, bis zum Mittelmeer
amplifiziert und wir unter Zustrom nordöstlicher und kalter Luftmassen
verbleiben würden. CMA ist dem ICON nahe mit einer kurzzeitigen Erwärmung am
Freitag und Samstag.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles sprechen bis Mittwoch eine eindeutige
Sprache, sind sie doch gänzlich auf sehr kaltem und niedrigem Geopotenzial
getrimmt. Ab Donnerstag laufen die Streuungen auseinander. In den 850
hPa-Temperaturkurven fallen einige wärmere Mitglieder auf und Haupt- und
Kontrolllauf sind bei einer nur sehr moderat ansteigenden Temperatur doch eher
am unteren Rand der Streuung zu finden. Für Orte in Süddeutschland zeigt sich
dagegen ein deutlicherer Temperaturanstieg, Haupt- und Kontrolllauf liegen dann
in der Mitte der Streuung. Das Vordringen der wärmeren Luft ist also keineswegs
sicher und bereitet vor allem in der räumlichen Exposition in der Vorhersage
Probleme.

Die Clusteranalyse gibt für Donnerstag bis Samstag 5 Cluster aus. Interessant
ist dabei, dass das Bodentief über Westeuropa leicht variiert wird, das aber
entscheidend sein kann für das Vordringen der milderen Luft. Bis wohin sie dann
bis Samstag kommt, ist aktuell kaum vernünftig vorherzusagen. Für Sonntag bis
Dienstag wird dann nur noch ein Cluster berechnet. Der zeigt am Montag ein
Bodentief über den Britischen Inseln mit einer auf Südwest drehenden Strömung
und daher einer Milderung bei uns.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die sehr kalte Witterung bis zum Mittwoch
sicher ist. Ab Donnerstag ist eine leichte Milderung bzw. leichte
Frostabschwächung wahrscheinlich. Am Freitag und Samstag deutet sich von
Südwesten her Tiefdruckeinfluss an, der zu einer weiteren Milderung bis in die
Mitte des Landes führen könnte. Allerdings nehmen die Vorhersageunsicherheiten
dann signifikant zu, wird die Lage des Tiefs bisher keinesfalls kongruent von
den Modellen prognostiziert. Deshalb macht eine Vorhersage für die erweiterte
Mittelfrist ab Sonntag dann auch kaum noch Sinn, trotz der Ergebnisse der
Clusteranalyse des EZMW in diesem Zeitraum. Letztlich scheint jedoch eine
Milderung nicht ganz unwahrscheinlich, fehlt doch die eingangs besprochene
Unterstützung aus der Stratosphäre. Ob und wann es die milde Luft dann letztlich
zu uns schafft, bleibt aber abzuwarten, offenbaren die Modelle doch immer wieder
Schwächen bei der Simulation des Abbaus eines Kaltluftregimes.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die zu erwartende sehr kalte Witterung spiegelt sich gut im EFI wider, der für
alle Tage Signale zum Teil bis -1.0 für überdurchschnittlich niedrige
Temperaturen (und vor allem kalte Höchsttemperaturen) gibt. Auch der SOT ist mit
recht hohen Werten vertreten, sodass die Kältewelle bezüglich der Jahreszeit
(ein schönes "Eigentor" vom meteorologischen Frühlingsanfang am kommenden
Donnerstag) gebietsweise als extrem anzusehen ist. Am Freitag und Samstag nehmen
diese Signale etwas ab.

Für Schneefälle weist EFI an der Ostsee Werte bis 0.7 am Dienstag und Mittwoch
aus. COSMO-LEPS zufolge sind jeweils in einem 12-stündigen Zeitraum hohe
Wahrscheinlichkeiten für 5 cm Neuschnee vorhanden, in einem recht eng begrenzten
Streifen in einer Schauerstraße sind auch um 10 cm wahrscheinlich.

Darüber hinaus sind an der Ostsee und zeitweise auch an der Nordsee am Dienstag
und Mittwoch Signale für starken Wind beim EFI vorhanden. Nach COSMO-LEPS gibt
es gute Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen Bft 8, an der Ostsee am
Dienstag auch für Sturmböen Bft 9. Zusammen mit den Schneefällen muss dort daher
mit Schneeverwehungen gerechnet werden.

Ab Donnerstag nehmen Wind und Schneefälle an der Ostsee soweit ab, dass sie
nicht mehr markant bzw. signifikant sind.
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Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, zum Ende hin EZMW-EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler


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