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S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 22.02.2026 um 10.30 UTC Sehr frühlingshafter Start! Zum Wochenende wieder etwas unbeständiger und kühler, aber weiterhin (sehr) mild. Auf den Bergen und an den Küsten zeitweise stürmisch. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 01.03.2026 Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Mittwoch bietet der Blick auf das Geopotenzialfeld ein wunderschönes Omega. Der dazugehörige Rücken wölbt sich vom westlichen Mittelmeerraum direkt über unsere Köpfe hinweg bis weit nach Skandinavien auf. Flankiert wird er von zwei stark amplifizierten Trögen, der eine reicht von Nordwestrussland bis ins östliche Mittelmeer und der andere letztlich von Grönland über Island bis nach Marokko. Am Boden findet man folgerichtig eine meridional ausgerichtete Tiefdruckzone über Westeuropa und hohen Luftdruck, der im Prinzip von den Azoren über das Mittelmeer bis nach Mittel- und Südosteuropa verläuft und somit auch in Deutschland wetterwirksam ist. In der Folge ergibt sich für unser Land eine südwestliche Strömung, mit der eine subtropisch angehauchte Luftmasse zu uns gelangt, die T850 im Südwesten und Westen Deutschlands auf 10 Grad ansteigen lässt (im Nordosten immerhin um 4 Grad). Im Zusammenspiel mit recht verbreitetem Sonnenschein (nach Auflösung nächtlicher Nebelfelder) wird man vielleicht teilweise etwas ungläubig auf die Außenthermometer schauen, die verbreitet 13 bis 18 Grad, entlang des Rheins und eventuell auch im Lee der westlichen Mittelgebirge sogar nahe 20 Grad anzeigen werden. Na, wenn da keine Frühlingsgefühle aufkommen! Im Tagesverlauf tropft der atlantische Trog ab und das Residuum schwenkt am Donnerstag über uns hinweg. Im Vorfeld greift eine nur schwach ausgeprägte Kaltfront mit ein paar Spritzern Regen auf die Nordwesthälfte über, hinter der niedertroposphärisch wieder etwas kühlere Luft einfließt (T850: 1 bis 4 Grad). Dank etwas zunehmendem Gradienten und guter Durchmischung macht sich das in 2 m Höhe allerdings kaum bemerkbar. In der Südosthälfte geht der Frühling mit viel Sonnenschein und verbreitet 15 bis lokal 20 Grad in die zweite Runde. Derweil kommt es auf dem Atlantik am Donnerstag zu einer markanten Austrogung, auf dessen Vorderseite wir am Freitag gelangen. Am Boden kommt es zur Entwicklung eines kleinräumigen Sturmtiefs, das jedoch - Stand heute - gebührenden Abstand zu Deutschland hält und über Schottland zur Norwegischen See zieht. Trotz alledem frischt der Wind bei uns am Freitag etwas auf, an der Nordsee und auf den Bergen wird es stürmisch. Die Kaltfront greift im Tagesverlauf von Westen auf Deutschland über, die aber wohl auch noch große Teile des Samstags braucht, ehe sie es auch über den Südosten Deutschlands hinweg schafft. Je nach niedertroposphärischer Labilität könnten in der Nordwesthälfte mit Kaltfrontdurchgang einzelne stürmische Böen hinuntergemischt werden. Hinter ihr gelangt ein Schwall subpolarer Meeresluft ins Land, sodass T850 bis Samstag auf verbreitet -3 bis 0 Grad absinkt. Der dazugehörige Trog schwenkt am Samstag ebenfalls über uns hinweg, wurde mittlerweile aber zu einem nur noch schwach ausgeprägten Randtrog degradiert. Denn über dem Atlantik ist bereits die nächste markante Austrogung im Gange, sodass der vorderseitig aufwölbende Rücken den Luftdruck bei uns rückseitig der Kaltfront wieder ordentlich ansteigen lässt. Bis Sonntag kommt diese Trog-Rücken-Struktur etwas weiter nach Osten voran, das Hoch verschiebt sich ins Baltikum, bleibt aber für uns wetterwirksam. Mit wieder auf Süd drehender Strömung gelangt damit wieder deutlich mildere Luft ins Land. In der erweiterten Mittelfrist sieht es nach einem Zweikampf zwischen blockierendem Hoch über dem östlichen Mitteleuropa und tiefem Luftdruck über Westeuropa aus, sodass Deutschland bei weiterhin mildem Temperaturniveau als "Frontenfriedhof" fungieren könnte. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz des aktuellen IFS-00-UTC-Laufs kann bis einschließlich Samstag als sehr gut bezeichnet werden. Im Detail gibt es naturgemäß gewisse Unterschiede. Das betrifft zum Beispiel die genaue Zugbahn eines Sturmtiefs über West- und Nordeuropa am Freitag und die damit verbundene Windentwicklung in Deutschland sowie das Timing des Kaltfrontdurchgangs am Freitag/Samstag. Im gestrigen 00-UTC-Lauf wurde das Tief deutlich weiter südlich prognostiziert (Zugbahn von England nach Dänemark; in den beiden jüngsten Läufen von Schottland nach Norwegen) und die Kaltfront sollte rund 12 Stunden früher durchgehen. Am Sonntag nehmen dann die Unterschiede auch hinsichtlich der großräumigen Strukturen deutlich zu. Die beiden jüngsten Läufe lassen mit südlicher Strömung milde Mittelmeerluft einströmen, der gestrige 00-UTC-Lauf dagegen mit nordwestlicher Strömung subpolare Meeresluft. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Der Vergleich mit weiteren Globalmodellen (ICON, GFS, UK10) liefert zunächst die Erkenntnis, dass ICON und IFS bis einschließlich Samstag sehr ähnliche Lösungen anbieten. Auch hier beziehen sich die Hauptunterschiede auf das Timing des Kaltfrontdurchgangs am Freitag (ICON etwas später/langsamer als IFS). GFS bietet eine höchstinteressante Alternative und führt eine Welle entlang der Kaltfront nach Deutschland, die sich dort am Wochenende zu einem Randtief weiterentwickeln soll. Eine markante Niederschlags- oder Windentwicklung soll damit aber nicht verbunden sein. UK10 verfolgt einen ähnlichen Ansatz, allerdings erfolgt die Wellen-/Randtiefentwicklung über Frankreich, sodass die Front über unserer Nordhälfte vor sich hindümpelt. Am Sonntag entfernt sich schließlich auch ICON deutlich von der IFS-Lösung und lässt einen markanten Kurzwellentrog, samt vorlaufendem Frontensystem und Sturm in der Nordwesthälfte auf Deutschland übergreifen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen für die 850er-Temperatur für verschiedene deutsche Städte zeigen ein schönes "Bergpanorama" mit Hauptberg am Mittwoch und kleinem Nebengipfel am Freitag (vor der Kaltfront). Die nachfolgende Talsohle wird am Samstag erreicht, ehe es wieder bergauf geht. Dabei legt der Spread deutlich zu und nimmt rasch einen Raum zwischen +10 und -5 Grad ein. Es fällt jedoch auf, dass sich der Hauptteil der Member im Süden tendenziell auf der wärmeren Seite, im Norden dagegen eher auf der kälteren Seite aufhalten, vor allem auch mit Blick in die erweiterte Mitelfrist. Beim Niederschlag gibt es nach einem trockenen Mittwoch im Norden hauptsächlich von Donnerstag bis Samstag, im Süden am Freitag und Samstag vermehrt Signale, die danach wieder zurückgehen (im Osten mehr, im Westen weniger). Das Clustering ergibt für den Zeitraum von Freitag bis Sonntag 00 UTC drei Gruppierungen mit 21, 16 und 14 Membern, wobei Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 3, also dem "schwächsten" Cluster zugeordnet sind. Sie gehören zunächst allesamt dem Regime NAO+ an, wechseln zum Ende aber zu Blocking (C1 und C3). Auffällig ist, dass die Sturmtiefentwicklung am Freitag nur von C1 und C2 nicht so stark gerechnet wird (C1 sogar nur mit Bodentrog). Zudem setzen C1 und C2 das Sonntagshoch deutlich weiter südlich, sodass der Norden und Nordwesten und Tiefdruckeinfluss verbleiben würden. Auch der Zeitraum von Montag bis Mittwoch (erweiterte Mittelfrist) hält drei Szenarien bereit (25, 14, 12), wobei Haupt- und Kontrolllauf nun in Cluster 1 zu finden sind. Dabei sind nun alle Cluster dem Blocking-Regime angehörig mit einem blockierenden Rücken vom zentralen Mittelmeerraum über Mitteleuropa bis zum Nordmeer. Wir wären dabei stets auf der Westflanke des Rückens und damit auf der milden Seite. FAZIT: Nach einem sehr frühlingshaften Mittwoch und meist auch noch Donnerstag, geht es ab Freitag mit dem Temperaturniveau allmählich wieder bergab, es bleibt aber weiterhin (sehr) mild. Ein erneuter winterlicher Rückfall ist derzeit nicht zu befürchten, auch wenn die Unsicherheiten bei der Wetterentwicklung im Laufe des Wochenendes deutlich zunehmen. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Die Liste markanter Wetterereignisse im mittelfristigen Zeitraum ist recht übersichtlich und beschränkt sich voraussichtlich auf den Wind, der wohl hauptsächlich am Freitag ein Thema werden könnte. Dann sind an der Nordsee und in den Hochlagen der Mittelgebirge stürmische Böen (Bft 8), auf dem Brocken auch zum Teil schwere Sturmböen (Bft 9-10) aus Südwest gering wahrscheinlich. Auf dem Brocken könnte es auch am Donnerstag und Samstag stürmisch werden (Böen Bft 8-9). Im Hinterkopf sollte man auch den Kaltfrontdurchgang am Freitag, wo in der Nordwesthälfte - wenn es blöd läuft - vereinzelt stürmische Böen heruntergemischt werden könnten. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz |
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